Halsband vs. Geschirr

Wir werden oft von Ersthundehaltern gefragt, was denn besser sei - ein Halsband oder ein Brustgeschirr. Hierzu gibt es viele verschiedene Meinungen und ebensoviele Ammenmärchen.

Wir empfehlen ganz klar das Brustgeschirr. Für Hunde, die noch nicht leinenführig sind (leinenführig bedeutet, dass der Hund in jeder Situation an lockerer Leine neben seinem Halter geht), ist ein Brustgeschirr unserer Meinung nach ein Muss.

Im Halsbereich befinden sich empfindliche Organe wie Kehlkopf und Schilddrüse. Wenn nun über ein Halsband ein Leinenruck ausgeführt wird (ob absichtlich vom Halter oder unbeabsichtigt vom Hund selbst durch In-die-Leine-springen) werden diese Organe gequetscht, und es kann zu Verletzungen kommen. Auch auf die Halswirbelsäule kann dies negative Auswirkungen haben. Probieren Sie es doch selbst einmal aus! Schnallen Sie sich das Halsband Ihres Hundes um und bitten Sie jemanden, einmal kräftig an der Leine zu rucken. Manche Hundehalter behaupten "das tut doch nicht weh" - bitte testen Sie es erst einmal im Selbstversuch, bevor Sie das sagen!

Ein weiteres wichtiges Argument gegen das Halsband bei nicht leinenführigen Hunden ist folgendes: Mittels Nackenstoss korrigieren sich Hunde gegenseitig. Wird nun über das Halsband ein Zug oder Ruck im Hals-Nackenbereich ausgeführt, fasst der Hund dies als Korrektur auf und empfindet das Halsband und das Gehen an der Leine als etwas Negatives, ausserdem kann es zu fatalen Fehlverknüpfungen kommen. Ein Beispiel: Ihr Hund zieht an der Leine, und ihm wird dadurch automatisch Schmerz im Halsbereich zugefügt. Wenn Ihnen nun in dem Moment ein anderer Hund (oder Mensch) entgegenkommt, verknüpft Ihr Hund u.U. den Schmerz mit dem Hund bzw. dem Menschen, und es kann zur Leinenaggression kommen - v.a. wenn dies wiederholt geschieht.

Es ist definitiv nicht so, dass Hunde, die Geschirre tragen, mehr an der Leine ziehen! Das Gegenteil ist stattdessen oft der Fall. Hunde mit Halsband versuchen oft durch Ziehen an der Leine dem unangenehmen Druck im Halsbereich zu entkommen. Dadurch wird der Druck am Hals verstärkt, der Hund zieht noch mehr usw.

Leinenführigkeit hat wenig mit Geschirr oder Halsband, sondern vielmehr mit der Mensch-Hund-Beziehung und mit Training zu tun! Übrigens sind auch die meisten Hundehalter nicht "leinenführig" - viel zu oft wird leider (meist unbewusst) an der Leine gezogen und geruckt, um den Hund in die gewünschte Position zu bringen.

Wenn der Hund (und der Halter ;-)) zuverlässig leinenführig ist, spricht nichts gegen ein Halsband. Achten Sie aber bitte darauf, dass das Halsband so breit wie ein Halswirbel ist, damit die Wirbel nicht verletzt werden, sollte der Hund doch einmal in die Leine springen. Als Faustregel gilt hier, dass die Nasenbreite des Hundes in etwa der Breite eines Nackenwirbels entspricht.

Gerne unterstützen wir Sie bei der Wahl eines geeignetes Geschirres. Sprechen Sie uns einfach an!

Schleppleine

Wir empfehlen in unseren Welpen- und Junghundegruppen immer die Anschaffung einer 5 m-Schleppleine. Solange ein Hund noch nicht zuverlässig in jeder Situation abrufbar ist, ist es unverantwortlich, ihn frei laufen zu lassen. Der Hund kann für sich selbst und für andere (Menschen und Tiere) zur Gefahr werden.

Daher nehmen Sie ihn bitte an die Schleppleine und trainieren den Rückruf so lange mit Schleppleine, bis er zuverlässig auch mit Ablenkung sitzt.

Anfangs haben Welpen zwar noch einen Folgetrieb und laufen ihrem Halter sowieso hinterher, aber irgendwann hört dieser Folgetrieb auf, und es erwacht der Jagdtrieb. Und dies kann durchaus früher der Fall sein als gedacht - und es kann auch bei Rassen der Fall sein, die laut Rassebeschreibung "keinen Jagdtrieb" haben! Wenn der junge Hund zum ersten Mal ein Kaninchen oder Reh entdeckt und diesem hinterherhetzen will, sind Sie klar im Vorteil, wenn er in dem Moment an der Schleppleine ist. Wenn der Hund aber erst einmal "Blut geleckt" hat und einige Male erfolgreich abgehauen ist (dies muss auch kein Wild sein - manche Hunde "jagen" auch gerne Radfahrer oder Autos), müssen Sie wesentlich mehr Arbeit in das Antijagdtraining stecken, als wenn Sie den Hund von vornherein an der Schleppleine haben und er somit nie Erfolg damit hat wegzulaufen.

Schleppleinen gibt es in verschiedenen Ausführungen, Längen, Breiten und Materialien. Wir empfehlen eine Länge von fünf, maximal sieben Metern. Die Breite der Schleppleine hängt von der Größe des Hundes ab. Als Material empfehlen wir Biothane. Dies ist ein Produkt aus den U.S.A., was einige Vorteile gegenüber anderen Materialien aufweist. Es ist einfach zu reinigen (einfach mit Wasser abspülen), es bleiben keine Tannennadeln und Zweige darin hängen, es hat eine sehr hohe Reissfestigkeit und bleibt auch bei Kälte flexibel. Zudem saugt es sich bei nassem Wetter nicht mit Wasser voll, und wenn mal ein Knoten entsteht, so ist dieser im Handumdrehen wieder geöffnet. Ausserdem verursacht es keine Scheuerstellen in der Hand, wenn der Hund einmal mit Volldampf einem Kaninchen hinterhersaust und man ihn daran hindert.

Wichtig: Schleppleinen dürfen KEINESFALLS in Kombination mit einem Halsband verwendet werden! Dies kann zu üblen Verletzungen bis hin zum Genickbruch führen, wenn der Hund von 0 auf 100 beschleunigt.

Gerne beraten wir Sie auch beim Kauf einer passenden Schleppleine für Ihren Hund.